Weiterlernen für die Karriere

16. Mai 2011

Hochschule Aalen ist ein Vorreiter bei Studienangeboten für Berufstätige (Südwest Presse)

An der Hochschule Aalen studieren auch Berufstätige. Hier ein Blick in den Laborunterricht.

Mit ihrem akademischen Weiterbildungsangebot findet die Hochschule Aalen bundesweit Beachtung. Das Konzept bietet Unternehmen auf der Ostalb Vorteile, aber auch Berufstätigen wie Thomas Wolter.

Thomas Wolter büffelt für sein Studium unter der Woche abends nach der Arbeit und an Samstagen. Doch das macht dem 38-jährigen Industriemeister nichts aus. Ganz im Gegenteil. "Ich habe Spaß daran, ich fühle mich wohl, und der Umgang mit jungen Leuten hält einen fit", sagt er und lacht. Dabei räumt er freimütig ein, dass einige im Bekanntenkreis ihn für verrückt erklärt haben. Wolter studiert neben dem Beruf Maschinenbau. Das Angebot der Weiterbildungsakademie der Hochschule Aalen bezeichnet er als einen Glücksfall.

Denn dort können nicht nur Menschen mit Fachhochschulreife studieren. "Auch wer eine berufliche Aufstiegsfortbildung absolviert hat, also beispielsweise Meister oder Techniker ist, wird zugelassen", erläutert Alexandra Jürgens, Geschäftsführerin der Weiterbildungsakademie der Hochschule Aalen. Seit 2009 gibt es dort das Angebot, das derzeit 42 Studenten nutzen. "Vor deren Leistung habe ich größten Respekt. Das Programm ist knüppelhart", sagt Jürgens. Neben dem Job verbringen die Studenten 13 Stunden an der Hochschule bei Vorlesungen, weitere sieben Stunden zur Vor- und Nachbereitung, und das 25 bis 30 Wochen im Jahr.

Dabei setzt die Hochschule Aalen ganz bewusst auf die Präsenz der Berufstätigen, die aus der Region kommen. "Wir halten das interaktive Lernen für wichtig", betont Jürgens. Auch lerne es sich in der Gruppe leichter, und es motiviere jeden Einzelnen, das Studium durchzuziehen. Dass bisher nur zwei Studenten abgesprungen sind und einer aufgegeben hat, führt Jürgens auf die direkte Betreuung durch die Professoren der Hochschule zurück.

Neben dem zeitlichen kommt auf die Studenten auch ein finanzieller Aufwand zu. Das vierjährige Studium kostet 19 200 EUR, eine Einschreibegebühr von 2400 EUR sowie monatlich 350 EUR. Etwa die Hälfte der Studenten erhalten Zuschüsse von ihren Arbeitgebern. Das reicht von 100 EUR bis zur kompletten Übernahme der Kosten sagt Jürgens.

Auch Thomas Wolter erhält von seinem Arbeitgeber Unterstützung. "Im Erfolgsfall übernehmen wir die Hälfte der Kosten. Das soll auch ein bisschen motivieren", sagt Achim Brommer, der geschäftsführende Gesellschafter der SHW SHS GmbH. Der Spezialist für Schüttgutanlagen aus Aalen unterstützt Wolter, der seit 5 Jahren in der Firma ist, sowie einen weiteren Mitarbeiter nicht nur finanziell.

Die beiden Studenten werden teilweise freigestellt und können sich auch in der Arbeitszeit Hilfe von Kollegen holen, beispielsweise wenn es um die Themen EDV oder Baustatik geht. An Ingenieurswissen mangelt es dem Mittelständler mit 68 Mitarbeitern nicht. Zwei Drittel der Beschäftigten sind Ingenieure, ein Drittel Meister und Techniker.

Die Weiterbildungsmöglichkeit an der Hochschule Aalen sieht Firmenchef Brommer positiv. "Wer heute gutes Personal halten und bekommen will, muss Aufstiegsmöglichkeiten anbieten", sagt er. Gerade bei Unternehmen, die so spezielle Anforderungen wie SHW SHS erfüllen müssten, sei es wichtig, wenn die Mitarbeiter in der Planung und dem Projektmanagement mit Wissen aus der Praxis kämen und "damit für uns als Unternehmen einen Mehrwert haben". Zudem findet es Brommer gut, wenn Mitarbeiter sich entwickeln wollen: "Das muss ein Unternehmen unterstützen."

Der Anlagenhersteller SHW SHS hatte laut Brommer bisher keine Probleme, qualifiziertes Personal zu bekommen - im Gegensatz zu anderen Firmen auf der Ostalb. "Die Idee zu dem Studienmodell entstand durch den Fachkräftemangel. Es ist für viele Unternehmen schwer, qualifizierte Ingenieure auf die Ostalb zu holen und sie dauerhaft für die Region zu begeistern", schildert Jürgens. "Daher lag es nahe, das Potenzial vor Ort zu nutzen. Denn viele Meister und Techniker sind regional verwurzelt."

Dass das Studienkonzept der Hochschule Aalen auch bundesweit Beachtung findet, liegt laut Jürgens vor allem an zwei Gründen: Das Thema Aufstieg durch Bildung habe angesichts des Fachkräftemangels Konjunktur und die Hochschule Aalen den politischen Willen als eine der ersten umgesetzt.

Mit seinen 38 Jahren gehört Thomas Wolter zu den älteren Studenten. Das Durchschnittsalter bei Studienbeginn liegt bei 28 Jahren. Dass der zweifache Familienvater (die Kinder sind 11 und 14 Jahre alt) sich auf dem zweiten Bildungsweg für seine berufliche Karriere fit macht - und dabei auch die Rückendeckung der Familie hat - hängt mit seiner Reiselust zusammen. "Bis zum 18. Lebensjahr habe ich alle europäischen Länder gesehen - mit dem Fußballverein, Austauschprogrammen und Radtouren."

Nach Mittlerer Reife, Lehre, Bundeswehr und sieben Jahren Abendschule erfüllt er sich nun seinen Lebenswunsch zu studieren. Wenn er in zwei Jahren seinen Bachelor in der Tasche hat, kann er sich gut vorstellen, seinem Fernweh nochmal nachzugeben. "Mein Ziel ist es", so sagt der Industriemeister, "für meine Firma ins Ausland zu gehen" - mit der Familie.

Südwest Presse
Erscheingungsdatum: 16.05.2011

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